Weshalb Kunst?

Ich mag Kunst, die Sichtbares abbildet, und ich mag Kunst, die Verborgenes zeigt.
Ich mag Kunst, die spielt, und ich mag Kunst, die forscht.
Ich mag Kunst, die sich für eine Sache engagiert, und ich mag absichtslose Schönheit.
Ich mag Ernsthaftigkeit und Tiefe, und ich mag Verspieltheit und Humor.

Ich habe seit meiner Kindheit und Jugend viel und gerne gezeichnet und gemalt. Ich erinnere mich, ich muss etwa 15 gewesen sein, dass mich umtrieb, wie ich ein Wasserglas zeichnen kann. Ich probierte bis ich der Sache näher kam. Ich merkte vor allem, dass es darauf ankommt, genau hinzusehen.

Mich fasziniert unsere Wahrnehmung und ihre Funktionsweise: Wie entsteht aus Sinneswahrnehmungen eine lebendige Erfahrung?
Und mich fasziniert das Handwerkliche daran: Was für Informationen brauchen unsere Sinnesorgane, damit eine lebendige Erfahrung entsteht?

Mich fasziniert auch, dass man mit Kunst eine starke Aussage über ein inneres Erleben machen kann. Es gab Zeiten, in denen künstlerischer Ausdruck eine wichtige Möglichkeit war, mit der Macht von starken Erlebnissen und Gefühlen umzugehen. Als ich 1984 wegen Militärdienstverweigerung vier Monate im Gefängnis verbrachte, waren Zeichnen, Malen und Schreiben wichtig, um Integrität und ein inneres Gleichgewicht zu erhalten.
Später lernte ich, verborgenere Seiten meiner Innenwelt bewusst in Bildern auszudrücken. Ich eignete mir dazu gewisse Methoden an. Noch heute bin ich manchmal überrascht von den Bildern, die so entstehen.